Grippe therapieren und verstehen, welche Rolle die Verwandtschaft im sozialen Umgang spielt

Der Förderkreis des Deutschen Primatenzentrums verleiht zwei Promotionspreise an Nachwuchswissenschaftlerinnen

Assam-Makaken bei der Fellpflege. Foto: Kittisak Srithorn

Für ihre herausragenden Doktorarbeiten in den Bereichen Infektionsforschung und Primatenbiologie haben die beiden Nachwuchswissenschaftlerinnen Prerna Arora und Delphine De Moor vom Förderkreis des Deutschen Primatenzentrums e.V. den mit jeweils 500 Euro dotierten Promotionspreis erhalten. Prerna Arora, die in der Abteilung Infektionsbiologie am DPZ promovierte, wurde für die Entwicklung eines neuen Therapieansatzes im Kampf gegen das Grippevirus geehrt und Delphine De Moor für ihre Arbeit über die Bedeutung der väterlichen Verwandtschaftsbeziehungen bei Assam-Makaken. Mit dem Promotionspreis fördert der Förderkreis den wissenschaftlichen Nachwuchs am Deutschen Primatenzentrum und hebt besondere Erfolge in der primatologischen Forschung hervor.

Prerna Arora erhielt den Preis im Bereich der Infektionsforschung für ihre Doktorarbeit „Novel production system for influenza virus-derived defective interfering particles and analysis of antiviral activity“, die sie im August 2020 erfolgreich abschloss. Im Rahmen ihrer Arbeit hat sie ein System zur Herstellung defekter Grippevirenpartikel entwickelt, die in der Lage sind, die Ausbreitung intakter Grippeviren zu hemmen. Diese „defekten interferierenden Partikel“ entstehen als natürliche Begleiterscheinung während der Infektion mit Grippeviren und haben Teile der viralen Erbinformation verloren. Da das Grippevirus schnell mutiert, muss der Impfstoff jährlich angepasst werden und eine Therapie mit antiviralen Medikamenten ist nur begrenzt wirksam. Daher sind neue Ansätze zur Bekämpfung der Grippe notwendig. Stefan Pöhlmann, Leiter der Abteilung Infektionsbiologie am DPZ und Betreuer von Aroras Doktorarbeit, sagt: „Die Arbeit von Frau Arora zeigt, wie intakte Grippeviren durch ihre defekten Gegenstücke gehemmt werden. Diese Daten helfen, defekte Viren im Labor zu konstruieren, die intakte Viren besonders gut hemmen und möglicherweise für die Grippetherapie geeignet sind.“ Prerna Arora ist nach ihrer Promotion weiterhin als Postdoktorandin in der Abteilung Infektionsbiologie in der Forschung aktiv.

Ebenfalls ausgezeichnet wurde Delphine De Moor für ihre erfolgreich im Februar 2020 abgeschlossene Doktorarbeit „Kinship and sociality in wild Assamese macaques (Macaca assamensis): are they related?“ im Bereich der organismischen Primatenbiologie. Sie hat erforscht, welchen Einfluss die Verwandtschaftsverhältnisse von Assam-Makaken auf das soziale Leben der Tiere haben. Es war bereits bekannt, dass mütterlicherseits verwandte Weibchen starke Beziehungen bilden und sich bei Konflikten gegenseitig unterstützen, während die Rolle der väterlichen Verwandtschaft bei der Entwicklung sozialer Beziehungen weitestgehend unklar war. Oliver Schülke, der die Arbeit in der Forschungsgruppe Soziale Evolution der Primaten am DPZ betreut hat, erklärt: „Auch bei Affen ist Blut oft dicker als Wasser - besonders die mütterliche Linie wird bevorzugt, mit der die meisten Affenweibchen ihr ganzes Leben in einer Gruppe verbringen. Die Mutter-Kind-Beziehung ist bei Säugetieren für Artgenossen leicht zu beobachten. Anders ist das bei der Vater-Kind-Beziehung, da sich in der kurzen Paarungszeit alle empfängnisbereiten Weibchen mit allen erwachsenen Männchen der Gruppe paaren. Umso verblüffender ist, dass Delphine De Moor mit molekulargenetischen Stammbaumanalysen und Verhaltensdaten aus unserem Langzeitfeldprojekt in Thailand gezeigt hat, dass weibliche Assam-Makaken auch ihre väterlichen Halbschwestern bevorzugt behandeln.“ Delphine De Moor arbeitet seit Dezember 2020 als Postdoktorandin am „Centre for Research in Animal Behaviour“ der Universität Exeter, UK.

 

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