4780 Steine aus dem All

Die Meteoritensammlung der Max-Planck-Gesellschaft hat ein neues Zuhause am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen gefunden.

Scheibe des Stein-Eisen-Meteoriten Imilac, der 1822 in der chilenischen Atacama-Wüste gefunden wurde. Eingebettet in Eisen-Nickel-Anteile finden sich durchschimmernde gelb-orangefarbene Olivinkristalle. © MPS (T. Klawunn)

4780 Proben von mehr als 1932 Meteoriten umfasst die neue Sammlung am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Als Forschungssammlung bietet sie eine außerordentliche Bandbreite verschiedener Meteoritenklassen und zählt zu den umfangreichsten und vielfältigsten der Welt. Unter den Proben finden sich metergroße Scheiben tonnenschwerer Eisenmeteorite ebenso wie kaum millimetergroße, hochporöse Krümelchen; unscheinbare Brocken ebenso wie solche, auf deren Oberfläche der Eintritt in die Atmosphäre bizarre Muster hinterlassen hat; Bruchstücke unserer nächsten Nachbarn im All, des Mondes und des Mars, ebenso wie von Körpern, die von weit außerhalb der Jupiterbahn stammen. „Die Sammlung ist ein Abbild der gesamten Bandbreite außerirdischer Gesteinskörper, die auf die Erde gestürzt sind“, so Prof. Dr. Thorsten Kleine, Geschäftsführender Direktor des MPS.

In den vergangenen Monaten ist die Meteoritensammlung ans MPS umgesiedelt. Sie vereint zwei frühere Forschungssammlungen der Max-Planck-Gesellschaft, die Wissenschaftler in den 1950er und 1960er Jahren an den Max-Planck-Instituten für Chemie in Mainz und für Kernphysik in Heidelberg angelegt hatten. Als dort 2005 bzw. 2003 die Meteoritenforschung eingestellt wurde, siedelten die kosmischen Brocken als Leihgabe ans Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt über. Unter der Leitung von Dr. Jutta Zipfel wurde die Sammlung dort über mehr als 20 Jahre wissenschaftlich und kuratorisch bewahrt, ausgebaut und für die Forschung zugänglich gemacht.

„Mit großer Freude haben wir der Meteoritensammlung der Max-Planck-Gesellschaft ein Zuhause geboten. In dieser Zeit haben wir die Sammlung erforscht, wissenschaftlich kuratiert und kontinuierlich ausgebaut und damit beigetragen, sie für künftige Generationen zu bewahren. Einige besondere Stücke bleiben in unserem Naturmuseum in Frankfurt – so sind die faszinierenden Himmelskörper auch weiterhin einem breiten Publikum zugänglich“, so Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt.

Seit der Berufung von Kosmochemiker Prof. Dr. Thorsten Kleine ans MPS hat die Meteoritenforschung wieder einen festen Platz in der Max-Planck-Gesellschaft und steht nun im größeren Zusammenhang der Sonnensystemforschung. Ziel der Forschenden ist es zu verstehen, wie unsere kosmische Heimat vor 4,6 Milliarden Jahren entstanden ist und wie sie sich weiterentwickelt hat. Meteorite sind steinerne Zeugen dieser Ereignisse. Sie sind Bruchstücke der ersten Körper, die sich im Sonnensystem gebildet haben. Mit ihrer Hilfe können Forschende beispielsweise rekonstruieren, wann und wo die Asteroiden entstanden sind, woher das Wasser auf der Erde stammt und wie es zur Entstehung des Mondes kam.

Meteorite im Labor untersuchen
Um das steingewordene Wissen der Meteorite zu entschlüsseln, bestimmen Forschende am MPS ihre „Zutaten“. Das Augenmerk liegt dabei auf der genauen Isotopenzusammensetzung.  Isotope sind Varianten desselben chemischen Elements, die sich allein durch das Gewicht ihres Atomkerns unterscheiden. Da solche Isotope im frühen Sonnensystem nicht gleichmäßig verteilt waren, gibt die genaue Zusammensetzung eines Meteoriten Aufschluss über seinen Geburtsort. Einschläge anderer Brocken sowie Entstehungsprozesse planetarer Körper hinterlassen ebenfalls ihre Spuren in der Zusammensetzung. Zudem lassen sich über den Zerfall radioaktiver Isotope die Prozesse während der Entstehung und Entwicklung des Sonnensystems zeitlich einordnen.

Um hochpräzise Isotopenanalysen durchzuführen, verfügen die Forschenden am MPS über spezialisierte Reinräume zur Präparation der Meteoritenproben sowie über hochpräzise Multikollektor-Massenspektrometer. Ein Teil der Labore befindet sich aktuell noch im Aufbau.