Alexander Rotsch erforschte für seine Doktorarbeit einen molekularbiologischen „Kriminalfall“: den Diebstahl sogenannter mRNA-Kappen durch Influenza-Viren. Die Kappen markieren mRNAs als zelleigene Moleküle und damit als harmlos. Fehlt eine Kappe, erkennt das Immunsystem die mRNA als fremd und potenziell schädlich – und löst eine antivirale Reaktion aus, die die RNA abbaut. Die Kappen sind daher essentiell für den Schutz der mRNA-Moleküle. Um sich vor dem Immunsystem zu tarnen, hat das Grippe-Virus Influenza eine heimtückische Methode entwickelt: Es stiehlt die menschlichen mRNA-Kappen noch während sie von einem spezialisierten Protein produziert werden. Wie der Diebstahl im molekularen Detail abläuft war bislang jedoch unbekannt.
Für dieses Projekt seiner Dissertation nutzte Rotsch biochemische und elektronenmikroskopische Verfahren, um diese Virus-Wirt-Interaktion genauer zu verstehen. Es gelang ihm, die Proteine des Influenza-Virus beim Diebstahl zu beobachten. Dabei fand er zwei zuvor unbekannte Interaktionen zwischen Influenza- und menschlichen Proteinen. Mit seinen Ergebnissen konnte Rotsch elementare Wissenslücken zum Lebenszyklus des Influenza-Virus schließen und trägt damit zur Entwicklung neuer Therapiestrategien gegen das Virus bei.
Alexander Rotsch studierte Biochemie an der Universität Göttingen. Sein Masterstudium absolvierte er in der Göttinger International Max Planck Research School for Molecular Biology 2024 schloss er seine Promotion in der Abteilung Molekularbiologie von Patrick Cramer am MPI für Multidisziplinäre Naturwissenschaften ab. Derzeit arbeitet Rotsch als Postdoktorand am European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg und am Friedrich Miescher Institute for Biomedical Research in Basel.
