Patrick Jendritza vom Salk Institute for Biological Studies, USA, hat eine „Junior Fellow Position“ am Else Kröner Fresenius Zentrum für Optogenetische Therapien (EKFZ-OT) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) erhalten. Der Nachwuchswissenschaftler leitet seit 1. Januar 2026 die Forschungsgruppe „Visual Circuits“, die sich mit der Entwicklung von Licht gesteuerten Hirn-Computer-Schnittstellen zur Wiederherstellung des Sehvermögens befasst. Die Forschungsgruppe mit Sitz am Deutschen Primatenzentrum - Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ) wird aus Mitteln der Else Kröner-Fresenius-Stiftung und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit insgesamt rund 480.000 Euro für zunächst drei Jahre und drei Monate gefördert.
Neurowissenschaftler Patrick Jendritza will eine neue Methode zur Behandlung von Blindheit entwickeln, indem er Nervenzellen im Gehirn genetisch so verändert, dass sie mit Licht gesteuert werden können. Dieses auch als Optogenetik bezeichnete Verfahren ermöglicht die gezielte Stimulation bestimmter Bereiche im visuellen Kortex, der Hirnregion, die für die Verarbeitung der Sehinformationen zuständig ist. Die Forschungsarbeiten der am Else Kröner Fresenius Zentrum für Optogenetische Therapien (EKFZ-OT) angesiedelten Arbeitsgruppe werden am Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ) in Göttingen durchgeführt. Das DPZ bietet die optimale Infrastruktur, um tierexperimentelle Studien an Weißbüschelaffen durchzuführen, die die Voraussetzung sind, um dieses komplexe Vorhaben langfristig in klinische Studien an Patient*innen zu überführen.
Der Übergang zur eigenen Arbeitsgruppe stellt in der Karriere eines Nachwuchswissenschaftlers einen entscheidenden Schritt dar und erfordert neben wissenschaftlicher Expertise auch eine entsprechende finanzielle Unterstützung
Zur Person
Patrick Jendritza, geboren 1987 in Augsburg, hat von 2011 bis 2014 Biowissenschaften an der Universität Heidelberg studiert und im Jahr 2022 an der International Max Planck Research School for Neural Circuits am Ernst Strüngmann Institute for Neuroscience in Frankfurt am Main zum Thema „Neural recordings and optogenetics in the visual cortex of the marmoset“ promoviert. Von April 2022 bis Dezember 2025 führte er seine Forschungen als Postdoktorand am Salk Institute in Kalifornien, La Jolla, USA, fort, in denen er insbesondere die Entstehung der visuellen und räumlichen Wahrnehmung im visuellen Kortex von Weißbüschelaffen untersuchte. Dabei setzte er modernste Methoden ein, wie zum Beispiel die neueste Generation hochauflösender Mikroelektroden. Diese winzigen Sonden sind dünner als ein menschliches Haar und werden in das Gehirn eingesetzt, um die Aktivität von einer großen Anzahl von Neuronen sehr präzise zu erfassen. Auf diese Weise lässt sich untersuchen, wie Gruppen von Nervenzellen miteinander kommunizieren, um Informationen zu verarbeiten und wie ihre Aktivität in größere Netzwerkprozesse des Gehirns eingebettet ist. Ein besonderer Schwerpunkt von Dr. Jendritzas Arbeit lag dabei auf der Methodenentwicklung, insbesondere die Anwendung der Optogenetik, um gezielt neuronale Netzwerke mit Licht zu stimulieren und deren Beitrag zur Wahrnehmung zu verstehen.
Über das Else Kröner Fresenius Zentrum für Optogenetische Therapien
Das Else Kröner Fresenius Zentrum für Optogenetische Therapien (EKFZ-OT) nutzt Licht, um neue Wege in der Medizin zu gehen. Ziel ist es, optogenetische Verfahren – die gezielte Steuerung von Zellen durch Licht – für die klinische Anwendung nutzbar zu machen. Seit April 2024 forschen interdisziplinäre Teams unter der Leitung von. Tobias Moser, Sprecher des EKFZ-OT und Direktor des Instituts für Auditorische Neurowissenschaften der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), an vier innovativen Therapieansätzen bei Taubheit, Blindheit, Magenlähmung und motorischen Defiziten. Im EKFZ-OT arbeiten insgesamt vier Teams zu verschiedenen Schwerpunkten: Team I – Besser hören mit Licht, Team II – Mit Licht gegen den Sehverlust, Team III – Neue Hoffnung bei Magenlähmung, Team IV – Sehen und bewegen mit Licht. Im Team IV, geleitet von Marcus Jeschke und Hansjörg Scherberger, werden optogenetische Gehirn-Computerschnittstellen entwickelt. Patrick Jendritzas Arbeit am EKFZ wird maßgeblich zu diesen Entwicklungen beitragen.
